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17.07.2010 

 

 

 


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Wer ist sporttauglich?
 

 

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Wer ist sporttauglich?




Interview mit Dr. med. Peter Zimmer, Oberarzt der II. Medizinischen Klinik am Klinikum Ingolstadt und Vorsitzender der Initiativgruppe Diabetes und Sport e.V.
Medicus:
Bei welchen Zusatzerkrankungen sollten Diabetiker auf Sport verzichten?

Dr. Zimmer:
Bei Diabetikern mit Gefäßkomplikationen liegt generell eine relative Kontraindikation vor. Letztlich ist die Sporttauglichkeit aber abhängig vom Ausmaß der diabetischen Folgeerkrankungen und muss in jedem Fall individuell beurteilt werden. Bei koronarer Herzerkrankung, Herzrhythmusstörungen, Hypertonie, arterieller Verschlusskrankheit der Beine und zerebrovaskulären Veränderungen kann Bewegung durchaus einen positiven Effekt haben.

Medicus:
Was sollte beim Training beachtet werden?

Dr. Zimmer:
Das Training sollte unter diesen Umständen zunächst nur unter ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden - beispielsweise in einer speziellen Herzgruppe. Wenn eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vorhanden ist, kann beispielsweise auch eine Diabetiker-Sportgruppe empfohlen werden. Adressen finden Interessierte auf dem Internetauftritt der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Sport e.V.: www.diabetes-sport.de. Darüber hinaus können sich Diabetiker auch Walking-Gruppen des Deutschen Sportbundes anschließen oder am Seniorensport teilnehmen.

Medicus:
Wer sollte auf Sport ganz verzichten?

Dr. Zimmer:
Bei Patienten mit hochgradigen Herzrhythmusstörungen oder instabiler koronarer Herzerkrankung ist Sport absolut kontraindiziert – unabhängig davon, ob Diabetes vorliegt oder nicht; außerdem natürlich bei akuten Infekten oder bei hyperglykämisch-ketotischer Stoffwechsellage mit einem Blutzucker über 300 mg/dl. Auch Patienten mit einer autonomen kardialen Neuropathie müssen auf Sport verzichten.

Medicus:
Was sollte bei der Beurteilung der Sporttauglichkeit eines Diabetikers zusammenfassend beachtet werden?

Dr. Zimmer:
Grundsätzlich sollten folgende Fragestellungen abgeklärt werden: Wie ist die Gefäßsituation? Besteht Bluthochdruck oder eine koronare Herzerkrankung? Liegen Neuropathien des Herzens oder der Füße vor? Leidet der Patient unter einer Retinopathie? Wie ist die Nierenfunktion? Gibt es eine ausreichende Kontrolle des Blutzuckerspiegels?

Medicus:
Was ist bei der arteriellen Verschlusserkrankung zu beachten?

Dr. Zimmer:
Bis zum Stadium 2b wird den Patienten regelmäßige Bewegung sogar empfohlen. Sie sollten aber Verletzungen an den Füßen unbedingt vermeiden, vor allem, wenn zusätzlich eine periphere Polyneuropathie vorliegt. Gerade bei Sportarten, bei denen viel gelaufen wird, wie Joggen, Walken oder Wandern kann es sonst schnell zu Fußulzera kommen. Betroffene sollten ihre Füße deshalb regelmäßig und sorgfältig selber kontrollieren. Bevor sie eine solche Sportart neu aufnehmen, können sie sich sicherheitshalber von einem Diabetologen oder Podologen eine Unbedenklichkeitsbescheinigung besorgen.

Medicus:
Was empfehlen Sie Patienten mit einer diabetischen Retinopathie?

Dr. Zimmer:
Diese Patienten sollten keinen Kraftsport betreiben. Denn der belastungsbedingte Anstieg des Blutdrucks kann die Gefahr von Einblutungen ins Auge erhöhen. Dynamische Ausdauersportarten sind aber durchaus möglich.

Medicus:
Was sollten Diabetiker grundsätzlich beachten, wenn sie sportlich aktiv werden wollen?

Dr. Zimmer:
Grundsätzlich sollten Diabetiker – vor allem vom Typ-1 – nur nach einer ausführlichen Schulung Sport treiben. Solche Schulungen gibt es etwa in Form von Arzt-Patienten-Seminaren. Denn nur wer weiß, wie sein Körper auf Belastung reagiert, kann beispielsweise eine Hypo- oder Hyperglykämie verhindern. Eine gute Blutzuckereinstellung ist deshalb vor der Sportaufnahme ebenfalls wichtig.

Medicus:
Wie wichtig ist Sport für Typ-2-Diabetiker?

Dr. Zimmer:
Für Typ-2-Diabetiker hat Sport regelrechten Therapiecharakter. Es gibt genügend Studien, die zeigen, dass man durch regelmäßige körperliche Betätigung in den Vorstadien des Typ-2-Diabetes – bei der pathologischen Glukosetoleranz – in bis zu 60 Prozent der Fälle eine Manifestation der Krankheit verhindern kann.

Medicus:
Wie viel muss man für einen solchen Effekt tun?

Dr. Zimmer:
Ein moderates Ausdauertraining von dreimal wöchentlich einer halben oder dreiviertel Stunde reicht bereits.

Medicus:
Können Diabetiker Hochleistungssport betreiben?

Dr. Zimmer:
Für Typ-2-Diabetiker kommt Hochleistungssport sicherlich nicht in Betracht. Denn neben dem meist fortgeschrittenen Lebensalter leiden sie auch meist schon unter mehr oder weniger fortgeschrittenen Folgeerkrankungen. Junge Typ-1-Diabetiker sind dagegen – zumindest theoretisch – zu jeder sportlichen Höchstleistung fähig.



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