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Sportmedizin - Diabetes und
Sport
Wer
ist sporttauglich?
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Wer ist sporttauglich?

Interview mit Dr. med. Peter Zimmer,
Oberarzt der II. Medizinischen Klinik
am Klinikum Ingolstadt und Vorsitzender
der Initiativgruppe Diabetes und Sport
e.V.
Medicus:
Bei welchen Zusatzerkrankungen sollten
Diabetiker auf Sport verzichten?
Dr.
Zimmer:
Bei Diabetikern mit Gefäßkomplikationen
liegt generell eine relative Kontraindikation
vor. Letztlich ist die Sporttauglichkeit
aber abhängig vom Ausmaß
der diabetischen Folgeerkrankungen und
muss in jedem Fall individuell beurteilt
werden. Bei koronarer Herzerkrankung,
Herzrhythmusstörungen, Hypertonie,
arterieller Verschlusskrankheit der
Beine und zerebrovaskulären Veränderungen
kann Bewegung durchaus einen positiven
Effekt haben.
Medicus:
Was sollte beim Training beachtet werden?
Dr.
Zimmer:
Das Training sollte unter diesen Umständen
zunächst nur unter ärztlicher
Aufsicht durchgeführt werden -
beispielsweise in einer speziellen Herzgruppe.
Wenn eine Unbedenklichkeitsbescheinigung
vorhanden ist, kann beispielsweise auch
eine Diabetiker-Sportgruppe empfohlen
werden. Adressen finden Interessierte
auf dem Internetauftritt der Arbeitsgemeinschaft
Diabetes und Sport e.V.: www.diabetes-sport.de.
Darüber hinaus können sich
Diabetiker auch Walking-Gruppen des
Deutschen Sportbundes anschließen
oder am Seniorensport teilnehmen.
Medicus:
Wer sollte auf Sport ganz verzichten?
Dr.
Zimmer:
Bei Patienten mit hochgradigen Herzrhythmusstörungen
oder instabiler koronarer Herzerkrankung
ist Sport absolut kontraindiziert
unabhängig davon, ob Diabetes vorliegt
oder nicht; außerdem natürlich
bei akuten Infekten oder bei hyperglykämisch-ketotischer
Stoffwechsellage mit einem Blutzucker
über 300 mg/dl. Auch Patienten
mit einer autonomen kardialen Neuropathie
müssen auf Sport verzichten.
Medicus:
Was sollte bei der Beurteilung der Sporttauglichkeit
eines Diabetikers zusammenfassend beachtet
werden?
Dr.
Zimmer:
Grundsätzlich sollten folgende
Fragestellungen abgeklärt werden:
Wie ist die Gefäßsituation?
Besteht Bluthochdruck oder eine koronare
Herzerkrankung? Liegen Neuropathien
des Herzens oder der Füße
vor? Leidet der Patient unter einer
Retinopathie? Wie ist die Nierenfunktion?
Gibt es eine ausreichende Kontrolle
des Blutzuckerspiegels?
Medicus:
Was ist bei der arteriellen Verschlusserkrankung
zu beachten?
Dr.
Zimmer:
Bis zum Stadium 2b wird den Patienten
regelmäßige Bewegung sogar
empfohlen. Sie sollten aber Verletzungen
an den Füßen unbedingt vermeiden,
vor allem, wenn zusätzlich eine
periphere Polyneuropathie vorliegt.
Gerade bei Sportarten, bei denen viel
gelaufen wird, wie Joggen, Walken oder
Wandern kann es sonst schnell zu Fußulzera
kommen. Betroffene sollten ihre Füße
deshalb regelmäßig und sorgfältig
selber kontrollieren. Bevor sie eine
solche Sportart neu aufnehmen, können
sie sich sicherheitshalber von einem
Diabetologen oder Podologen eine Unbedenklichkeitsbescheinigung
besorgen.
Medicus:
Was empfehlen Sie Patienten mit einer
diabetischen Retinopathie?
Dr.
Zimmer:
Diese Patienten sollten keinen Kraftsport
betreiben. Denn der belastungsbedingte
Anstieg des Blutdrucks kann die Gefahr
von Einblutungen ins Auge erhöhen.
Dynamische Ausdauersportarten sind aber
durchaus möglich.
Medicus:
Was sollten Diabetiker grundsätzlich
beachten, wenn sie sportlich aktiv werden
wollen?
Dr.
Zimmer:
Grundsätzlich sollten Diabetiker
vor allem vom Typ-1 nur
nach einer ausführlichen Schulung
Sport treiben. Solche Schulungen gibt
es etwa in Form von Arzt-Patienten-Seminaren.
Denn nur wer weiß, wie sein Körper
auf Belastung reagiert, kann beispielsweise
eine Hypo- oder Hyperglykämie verhindern.
Eine gute Blutzuckereinstellung ist
deshalb vor der Sportaufnahme ebenfalls
wichtig.
Medicus:
Wie wichtig ist Sport für Typ-2-Diabetiker?
Dr.
Zimmer:
Für Typ-2-Diabetiker hat Sport
regelrechten Therapiecharakter. Es gibt
genügend Studien, die zeigen, dass
man durch regelmäßige körperliche
Betätigung in den Vorstadien des
Typ-2-Diabetes bei der pathologischen
Glukosetoleranz in bis zu 60
Prozent der Fälle eine Manifestation
der Krankheit verhindern kann.
Medicus:
Wie viel muss man für einen solchen
Effekt tun?
Dr.
Zimmer:
Ein moderates Ausdauertraining von dreimal
wöchentlich einer halben oder dreiviertel
Stunde reicht bereits.
Medicus:
Können Diabetiker Hochleistungssport
betreiben?
Dr.
Zimmer:
Für Typ-2-Diabetiker kommt Hochleistungssport
sicherlich nicht in Betracht. Denn neben
dem meist fortgeschrittenen Lebensalter
leiden sie auch meist schon unter mehr
oder weniger fortgeschrittenen Folgeerkrankungen.
Junge Typ-1-Diabetiker sind dagegen
zumindest theoretisch
zu jeder sportlichen Höchstleistung
fähig.
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