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17.07.2010 

 

 

 


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Asthma und Sport

Interview mit Dr. med. Josef Lecheler
 

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Interview mit Dr. med. Josef Lecheler



Nicht der Sport, das Unterlassen des Trainings ist das Risiko

Dr. med. Josef Lecheler setzt sich seit 1984 als Ärztlicher Direktor des CJD Asthmazentrum Berchtesgaden für die Rehabilitation von asthmakranken Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein. Sport steht hier ganz oben auf der Liste. Als Schriftleiter der Zeitschrift „Prävention und Rehabilitation“ und mit über 40 wissenschaftlichen und zahlreichen Buchpublikationen zum Thema bringt er diese Erfahrungen an die Öffentlichkeit. Und nebenher engagiert er sich als Vorstandsmitglied je in der Akademie für Umwelt und Gesundheit in Frankfurt, in der Arbeitsgemeinschaft Asthmaschulung im Kindesalter und in der Bundesarbeitsgemeinschaft der medizinisch-beruflichen Rehabilitationseinrichtungen. Asthma und Sport sind für ihn zwei zusammengehörende Begriffe.

Medicus:
Herr Dr. Lecheler, kann unter den richtigen Rahmenbedingungen wirklich jeder Asthmatiker Sport treiben, oder sind solche mit Stufe-III- oder -IV-Asthma, mit mittelschwerem bis schwerem Asthma, doch definitiv körperlich nicht mehr belastbar?

Lecheler:
Mit Ausnahme von akuten Verschlechterungen, die durch Infekte oder durch Allergenkontakte vorübergehend eintreten können, können nicht nur, sondern sollten sogar Patienten mit Asthma ein geeignetes körperliches Training durchführen. Selbstverständlich müssen die Belastungsintensitäten sowohl dem Alter sowie dem Asthmaschweregrad angepasst werden, aber ein generelles Dauerverbot von körperlicher Belastung ist bei keinem Asthmaschweregrad angezeigt.

Medicus:
Wann sollte ein Asthmatiker von körperlicher Anstrengung absehen, sowohl hinsichtlich der körperlichen Verfassung, als auch in Bezug auf die Umweltsituation?

Lecheler:
Absehen sollte der Asthmatiker dann, wenn das Asthma sich infektbedingt verschlechtert. Außerhalb dieser Situationen kommt es weniger auf das wann, sondern auf das Wie und Was an. Selbstverständlich sollte ein asthmakranker Jugendlicher, der eine polyvalente Sensibilisierung unter anderem auf Tiere hat, nicht gerade Reitsport betreiben. Bei saisonalem Asthma sind sportliche Betätigungen in der freien Natur während der Zeit des größten Pollenfluges auch nicht gerade günstig. Umgekehrt wird manches übertrieben: So gibt es wenig Turnhallen, die aufgrund von Staubbelastung unzumutbar sind. Auch Kälte ist relativ: Wir empfehlen z. B. Skilanglauf bis zu einer Temperatur von –5°. Darunter allerdings nicht mehr.

Medicus:
Gibt es Sportarten, die erfahrungsgemäß nicht zu empfehlen sind?

Lecheler:
Körperliche Betätigungen werden von den Sportphysiologen in Hauptbeanspruchungsformen unterteilt, wie etwa Koordination, Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Flexibilität. Ich will mit dem Positiven anfangen: Bei Kindern sind koordinationsbetonte Sportarten sehr wertvoll, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausdauerbetonte Sportarten. Umgekehrt sind schnelligkeitsbetonte Sportarten nicht besonders günstig. Kraft und Flexibilität spielen eine untergeordnete Rolle.
Um auf Ihre Frage einzugehen: Fussball wäre keine besonders günstige Sportart dann, wenn ständig schnelle Sprints zu machen sind.
Ein anderes Problem ergibt sich bei Wettkampfsportarten, wenn die Patienten sich selbst schlecht einschätzen können. Das ist bei Jugendlichen eher möglich als bei Erwachsenen. Deshalb empfehlen wir Wettkampfsportarten immer nur mit Beteiligung eines Trainers, der einen überehrgeizigen Asthmatiker dann vom Feld nimmt, wenn er seine Grenzen überschreitet.

Medicus:
Welche Vorteile bietet das Intervalltraining?

Lecheler:
Das Intervalltraining ist eine Methode, mit der man die so genannte „Peitschenwirkung“ auf das Atemwegssystem „durch den Kaltstart“ vermeidet. Ein intervallartiges Aufwärmen lässt wesentlich höhere Belastungen zu ohne dass der Asthmatiker in Obstruktion kommt. Der Grund liegt darin, dass eine Refraktärphase besteht, das heißt, dass die Mechanismen, die ein Anstrengungsasthma auslösen, sich erschöpfen.

Medicus:
Wie oft und wie lange sollte ein Asthmatiker Sport treiben?

Lecheler:
Es gilt die Faustregel, möglichst regelmäßig zweimal pro Woche eine halbe bis eine ganze Stunde Sport zu treiben. Dieser Sport sollte allerdings im aeoroben Bereich sein, also mit einer relativ geringen Intensität. Hohe Belastungen sind eher gefährlich. Was für den Einzelnen eine aerobe, im Gegensatz zu einer anaeroben Belastung bedeutet, muss allerdings ausgetestet werden.

Medicus:
Welche Rolle spielt die medikamentöse Therapie für die Fähigkeit, Sport zu treiben?

Lecheler:
Es gibt dazu zwei Überlegungen: Zunächst sollte ein Asthmatiker, abhängig von seinem Schweregrad, eine gute Basistherapie erhalten, die die Entzündung der Atemwege bekämpft. Wenn das der Fall ist, ist er im Sport auch viel leistungsfähiger.
Zum Zweiten sollte der Patient auch ein Medikament bei sich führen, dass ihm während der Sportausübung hilft, eine beginnende Atemnot zu bekämpfen.

Medicus:
Die Fixkombination aus DNCG und Reproterol wird in diesem Zusammenhang immer wieder hervorgehoben. Können Sie das bestätigen?

Lecheler:
In der Kombination von DNCG und Reproterol findet sich zunächst ein kurzwirksames Beta-Mimetikum, das in der Sportstunde hilft, einen beginnenden Atemnotzustand abzufangen. DNCG ist ein antientzündlich wirksames Medikament, das aber in Kombination mit Reproterol eine günstige Wirkung hat. In der Tat ist diese Kombination bei vielen Patienten sehr beliebt und sie möchten ungern darauf verzichten.

Medicus:
Gibt es ein Restrisiko, sofern der Asthmatiker beim Sport Medikation und andere Rahmenbedingungen verantwortungsbewusst einhält?

Lecheler:
Natürlich kann Sport immer dazu führen, dass die Grenze zum Anstrengungsasthma überschritten wird und tatsächlich ein Asthmaanfall ausgelöst wird. Das gilt auch für gut eingestellte Asthmatiker. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass dies eher selten vorkommt, und dass man Ihre Frage eigentlich umgekehrt formulieren müsste: Es gibt ein Restrisiko, wenn man keinen Sport betreibt. Dann nämlich ist die Gefahr eines Anstrengungsasthmas bereits bei unvermeidbaren Alltagsbelastungen groß.

Medicus:
Was würden Sie Eltern raten, die ihr asthmakrankes Kind gerne zum Schulsport schicken würden, die Schule aber keinerlei Rahmenbedingungen dafür bietet?

Lecheler:
Dazu gibt es jetzt eine von der BARMER Ersatzkasse mit dem Deutschen Allergie- und Asthmabund herausgegebene Publikation, die für Lehrer und Mitschüler alle Fragen in diesem Zusammenhang beantwortet. Demnach dürfte es kein Problem mehr sein, eine geeignete Sportstunde durchzuführen. Wichtig: Nicht nachlassen! Asthmakranke Kinder gehören unbedingt in den Sportunterricht!



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