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Medizin & Sport
Inline-Skating:
Gesundheitssport mit Risiko
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Inline-Skating: Gesundheitssport mit
Risiko

Nachdem Eishockeyspieler aus den USA
die Schuhe mit den "in einer Linie"
angeordneten Rollen in den 80er Jahren
für ihr Sommertraining entwickelten,
wurde "Inline-Skating" bereits
in den 90ern weltweit zur Trendsportart.
Mit breiten Einsatzmöglichkeiten,
einfach zu erlernenden Grundtechniken,
"coolem" Image und gesundheitlichem
Nutzen erfüllen die modernen Rollschuhe
wichtige Kriterien der Fun- und Fitnessgesellschaft
genug jedenfalls, um eine Sportbewegung
auszulösen.
Trotzdem
haftet den Skates ein Makel an: Viele
halten den Sport für sehr verletzungsträchtig.
Das liegt unter anderem daran, dass
die aggressivste Form dieses Sports
gerne an öffentlichen Plätzen
abgehalten wird. Hier springen Jugendliche
über Rampen, rutschen Geländer
hinunter und erschrecken Passanten.
Aggressive Skater gelten als die jungen
Wilden des Sports. Doch bei der Mehrzahl
der Inline-Skater geht es wesentlich
gemäßigter zu. Für sie
steht Fitness und Spaß im Vordergrund,
ein Ausdauertraining, bei dem es selten
darum geht, Grenzen auszuloten.
So
rekrutiert sich der Großteil der
Skater heute aus der erwachsenen Bevölkerung,
die mit dem Sportgerät eine gleichzeitig
faszinierende und gesunde Methode entdeckt
hat, sich fortzubewegen. Fitness-Skater
machen rund 70 Prozent der neuen Rollschuh-Begeisterten
aus. Ein deutlich geringerer Anteil
entfällt auf das Inline-Hockey
als Mannschaftssport (etwa 15 Prozent),
das "Aggressiv-Skating" mit
akrobatischen Einlagen (rund 10 Prozent)
und auf das "Speed-Skaten"
mit Sprintstrecken und Marathons (etwa
3 Prozent).
Vier
Disziplinen mit unterschiedlichen Anforderungen
Statistiken zum Inline-Skating sind
mit Vorsicht zu interpretieren. Die
meisten Skater betreiben ihren Sport
außerhalb organisierter Strukturen,
ohne Verein oder Leistungskontrolle.
Aus Verkaufszahlen können grobe
Rückschlüsse auf die Zahl
der Skater gezogen werden, die diesen
Sport einmal ausprobiert haben. Niemand
weiß aber, wie viele Skates im
Schrank stehen und wie viele regelmäßig
benutzt werden. Unstrittig ist jedoch,
dass unter den Skatern die Fitness-Skater
die größte Gruppe ausmachen.
I.
Fitness-Skating: Hier wird die Sportart
als spaßbetontes Ausdauertraining
betrieben. Im Vergleich zu den etablierten
Ausdauersportarten Laufen und Radfahren
ist die Herz-Kreislauf-Belastung und
die Belastung des Bewegungsapparates
geringer. Die Anforderungen an Koordination,
Kraft und Beweglichkeit aber bleiben.
Damit bietet sich moderates Skaten als
präventiver Ausdauersport an, nicht
nur für junge und sportliche Menschen,
auch für Adipöse oder konditionell
Schwache ist das moderate Rollentraining
geeignet.
II.
Speed-Skating: Durch die Medien ist
vor allem der Stadt-Marathon mit Inline-Skatern
bekannt geworden. Hier geht es weniger
um Bestzeiten. Dabei sein ist alles.
Offizielle Wettkämpfe und nationale
Meisterschaften beim echten Speed-Skating
dagegen werden in der Regel auf speziell
abgesicherten Strecken ausgetragen,
über Distanzen von 100 m bis zur
Marathon-Strecke. Speed-Skates haben
eine längere Schiene mit mehr Rollen.
Das verbessert den Geradeauslauf, dafür
wird Kurvenfahren erschwert. Wenn man
so will, fahren Speed-Skater fast ausschließlich
"schnell und geradeaus". Beim
Sprint erreichen Spitzenläufer
Geschwindigkeiten von bis zu 60 km/h.
Noch höhere Geschwindigkeiten realisieren
Athleten bei riskanten Downhill-Rennen,
die teilweise in Bobbahnen durchgeführt
werden.
III.
Aggressive-Skating: Jugendliche haben
hier eine eigene Disziplin entwickelt,
die sich eng an die Akrobatik mit Snow-
oder Skateboards anlehnt. Beim Street-Skating
werden Sprünge mit variantenreichen
Drehungen ausgeführt, zu denen
auch das "Grinden" oder "Schleifen"
der Skates über Geländer und
Treppenstufen gehört. Skateranlagen
mit Halbröhren von mehreren Metern
Länge und Durchmesser (Halfpipes),
Sprungschanzen und "Grindrails"
sollen die Jugendlichen von den Straßen
holen. Halfpipe-Skating verlangt ein
Höchstmaß an Koordination,
Kraft und Beweglichkeit.
IV.
Inline-Hockey: Inline-Skates wurden
als Sommervariante der Hockey-Schlittschuhe
entwickelt. So verwundert es nicht,
dass Inline-Hockey sich als eigenständige
Disziplin mit festem Regelwerk etabliert
hat. Die Ausführung ähnelt
dem Eishockey.
Erster
Inline-Unfall schon 1760
Die Idee, Schuhe mit linear angeordneten
Rollen als Fortbewegungsmittel zu konzipieren
ist überraschend alt. Eine Anekdote
erzählt, dass der belgische Musikinstrumentenhersteller
J. J. Merlin um das Jahr 1760 Schuhe
mit "in line" stehenden Metallrollen
baute und damit anlässlich eines
Maskenballs am königlichen Hof
in London Geige spielend über das
Parkett rollte. Leider raste er damit
letztlich in einen großen Spiegel,
da er das Anhalten aus dem Lauf nicht
berücksichtigte, ein Problem, dass
auch heute noch vielen Skatern Schwierigkeiten
bereitet.
Wie
hoch ist das Risiko?
Bei der Frage nach den Risiken des Sports
muss sicher zwischen den verschiedenen
Disziplinen unterschieden werden. Doch
selbst dann lässt sich das Verletzungspotential
aus Mangel an evidenzbasierten Statistiken
nicht seriös mit anderen Sportarten
vergleichen. Es gibt weder Angaben über
die genaue Zahl der aktiven Skater,
noch über die Intensität,
mit der dieser Sport im Durchschnitt
betrieben wird. So könnte man höchstens
Inline-Hockey mit Feld- oder Eishockey
vergleichen oder Freizeit-Skating mit
Schlittschuh-Laufen. Asphalt aber wiederum
hat andere Untergrundeigenschaften als
Eis. Unfälle und Stürze verlaufen
anders.
Der
gesundheitliche Nutzen der modernen
Rollschuhwelle ist dagegen unumstritten.
Und mit geeigneter Schulung und Schutzausrüstung
lassen sich viele Verletzungen verhindern.
Dr. Ralf Erik Hilgert hat sich als Sportmediziner
und Unfallchirurg mit der Auswertung
von Verletzungsmustern beim Inlinesport
beschäftigt und beantwortet im
Interview Fragen zum Verletzungsrisiko
und zur Prophylaxe.
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