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17.07.2010 

 

 

 


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Diabetes und Sport

Gefahr: Hyper- und Hypoglykämie
 

 

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Gefahr: Hyper- und Hypoglykämie



Hyperglykämie bei Blutzuckerwerten über 250 mg/dl ist ein Azeton-Test im Urin notwendig, um festzustellen, ob ein absoluter Insulinmangel vorliegt. Ist das Ergebnis positiv, darf auf keinen Fall Sport betrieben werden, bevor die Stoffwechsellage nicht durch Insulin und ausreichende Flüssigkeitszufuhr ausgeglichen wurde, sonst droht eine Ketoazidose und im schlimmsten Fall ein Koma. Bei negativem Azeton-Test ist Sport kein Problem.HypoglykämieWenn die Insulin-Dosis vor dem Sport nicht reduziert wird oder ausreichend Zusatz-Kohlenhydrate zugeführt werden, besteht vor allem für insulinpflichtige Diabetiker die Gefahr einer Unterzuckerung. "Denn die zugeführte Insulinmenge im Blut wird – anders als bei Gesunden – bei körperlicher Arbeit nicht automatisch vom Körper herunterreguliert", sagt Dr. Zimmer, Oberarzt der II. Medizinischen Klinik am Klinikum Ingolstadt und Vorsitzender der Initiativgruppe Diabetes und Sport e.V. Zusätzlich steigt unter der körperlichen Belastung die Insulinempfindlichkeit und das Insulin bremst zusätzlich die Glukoseproduktion in der Leber. Die Folge: Der Glukose-Mehrverbrauch in den Muskeln kann nicht mehr gedeckt werden – der Blutzuckerspiegel sinkt. Dadurch ist vor allem das Nervensystem gefährdet, das seinen Energiebedarf normalerweise ausschließlich über Glukose deckt.

Treten die typischen Hypoglykämie-Symptome auf, muss der Sport sofort unterbrochen und der Blutzucker gemessen werden. Solche Anzeichen sind:
Unruhe
Angst
Zittern
Mattigkeit
Schweißausbrüche
Kopfschmerzen
Ringe unter den Augen, Sehstörungen
Herzrasen
Plötzlicher Leistungseinbruch
Konzentrationsstörungen
Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen
Bewegungsverlangsamung
Wesensveränderungen (plötzliche Aggressivität oder Lethargie)
Die Symptome sind nicht bei jedem Diabetiker gleich und können sich auch im individuellen Fall im Laufe der Zeit verändern. Außerdem können sie unter körperlicher Anstrengung falsch gedeutet werden. Deshalb sollten Begleitpersonen, wie Trainer, Lehrer oder Freunde die typischen Unterzuckerungssymptome kennen.

Die Hypoglykämie ist eine ernst zu nehmende Komplikation, die zur Bewusstlosigkeit und unter Umständen zu zerebralen Dauerschäden führen kann. Liegt der Blutzucker unter 80 mg/dl müssen deshalb sofort, schnell resorbierbare Kohlenhydrate in ausreichender Menge aufgenommen werden.

Bei einer leichten Unterzuckerung sind Fruchtsäfte, Obst oder Brot geeignet. Bei einer schweren Hypoglykämie sind zunächst Würfelzucker oder Traubenzucker empfehlenswert; zusätzlich außerdem noch langsam resorbierbare Kohlenhydrate in Form von Brot. Hat der Diabetiker das Bewusstsein verloren, muss ihm Glukagon intramuskulär oder subkutan verabreicht werden. Steht Glukagon nicht zur Verfügung muss der Notarzt Glukose in die Vene injizieren. Nach einem Bewusstseinsverlust ist ein Arztbesuch unbedingt ratsam, um die Ursachen der Unterzuckerung abzuklären. Grundsätzlich sollten Diabetiker beim Sport immer Traubenzucker und Glukagon dabei haben.

Damit es erst gar nicht erst zur Hypoglykämie kommt, sollte die Insulin- oder Medikamentendosis sowohl vor als auch nach dem Sport reduziert werden. Alternativ oder zusätzlich empfiehlt sich vor oder während der Belastung die Aufnahme von schnell resorbierbaren Kohlenhydraten in Form von Obst, Keksen, Müsliriegel, Traubenzucker oder Säften.

Um wie viel die Insulindosis reduziert oder wie viele Broteinheiten (BE) zusätzlich aufgenommen werden sollten, ist von vielen Faktoren abhängig: Intensität und Dauer des Trainings, Abstand zur letzten Nahrungsaufnahme und Insulininjektion, Behandlungsstrategie, aktuelle Stoffwechsellage, Ernährungs- und Trainingszustand. "Grundsätzlich gilt: Bei einem relativ kurz andauernden Training bis zu drei Stunden reicht in der Regel die zusätzliche Aufnahme von Kohlenhydraten: Pro Stunde etwa ein bis drei BE. Bei länger andauernder Belastung muss außerdem die Insulindosis drastisch reduziert werden; bei ganztägigen Belastungen beispielsweise um die Hälfte – und zwar sowohl vom Basis- als auch vom Bolusinsulin", sagt Dr. Peter Zimmer.

Vor dem Sport muss grundsätzlich der Blutzucker gemessen werden. Liegt er unter 150 mg/dl sollten noch ein bis zwei BE eingenommen werden. Werte zwischen 150 und 250 mg/dl sind zum Trainieren perfekt. Bei mehrstündigen Belastungen sollten Zwischenwerte gemessen werden. Zusätzlich ist eine Messung nach dem Ende der Belastung und zwei bis drei Stunden danach notwendig, um die Blutzuckerentwicklung zu beurteilen. Denn auch nach dem Sport kann der Blutzucker weiter absinken, weil die Muskeln ihre Glukagon-Vorräte wieder auffüllen. "Letztlich muss der Diabetiker selber die Erfahrung machen, wie er beim Sport auf unterschiedliche Bedingungen reagiert", so Dr. Peter Zimmer. Er sollte deshalb von Anfang an seine Blut- und Harnzuckerwerte, Dauer und Intensität der Belastung, Insulin- oder Tablettendosis, Zusatzkohlenhydrate und mögliche Unterzuckerungssymptome in einem Sporttagebuch protokollieren.


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